Endoskopische Kastration der Hündin

Haben Sie sich für die Kastration Ihrer Hündin entschieden, wissen aber noch nicht so recht, was auf Sie zukommt, beziehungsweise worin die Unterschiede zwischen klassischer und endoskopischer Kastration liegen?  Diese Fragen beschäftigen viele unserer Hundebesitzer, weshalb wir in diesem Artikel näher auf die Vorgehensweise bei der endoskopischen Kastration und ihre Vor- und Nachteile eingehen wollen.

Entfernung eines Ovars bei der Endoskopischen Kastration.
Entfernung eines Ovars bei der Endoskopischen Kastration.

Ablauf der Endoskopischen Kastration

Zunächst wollen wir kurz den allgemeinen Ablauf einer endoskopischen Kastration erklären:

Wie vor jeder Operation wird die Hündin zuerst klinisch untersucht, damit eventuell vorhandene Probleme/Krankheiten bereits im Vorfeld entdeckt, besprochen und gegebenenfalls weiter abgeklärt werden können. Damit wollen wir das Risiko eventueller Komplikationen rund um die Narkose reduzieren.

Am Tag der Operation wird für jede Hündin ein individuelles Narkoseprotokoll zusammengestellt, um einen entspannten, schmerzfreien und sicheren Ablauf zu gewährleisten. Die Hündin bekommt einen Venenzugang. Durch diesen können wir Medikamente direkt verabreichen und sie während der gesamten Operation mit ausreichend Flüssigkeit versorgen. Während der Narkose werden Atmung, Blutdruck, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur stetig überwacht.

Zu Beginn der Operation werden insgesamt drei Schnitte in der Größe von 2, 6 und 12 mm am Bauch gesetzt. Der kleinste Zugang wird genutzt, um den Bauchraum mithilfe einer speziellen Nadel mit Kohlendioxid-Gas zu füllen. Dies dient dazu, einen guten Überblick über alle Organe in der Bauchhöhle zu gewinnen (ansonsten wäre zwischen den Organen nur minimal Flüssigkeit und kaum Platz  vorhanden und man würde nur sehr wenig erkennen). Die anderen beiden Zugänge werden genutzt, um Glasfaseroptik, Elektrochirurgie, und Greifwerkzeuge verwenden zu können.

Die Glasfaseroptik erfüllt drei Funktionen: Sie ermöglicht die Lichtleitung in die Bauchhöhle, die Übertragung des Bildes von der Bauchhöhle auf einen externen Bildschirm und die Zufuhr von Kohlendioxid, um den Druck in der Bauchhöhle aufrechtzuerhalten.

Die Elektrochirurgie und Greifwerkzeuge werden verwendet, um Gewebe in der Bauchhöhle erfassen und fixieren zu können. Mithilfe der Elektrochirurgie können wir Gewebestücke zusätzlich sicher versiegeln und blutungsfrei absetzen.

Sobald alle Instrumente platziert sind, wird der erste Eierstock visualisiert, mit den Greifwerkzeugen fixiert, mithilfe der Elektrochirurgie in der Bauchhöhle abgesetzt und durch den größten Zugang, den sogenannten „Arbeitsport“ aus der Bauchhöhle entfernt. Danach geschieht dasselbe mit dem zweiten Eierstock. Diese Operationsmethode wird auch „Zweiportaltechnik“ genannt.

Abschließend wird die Bauchhöhle genauestens auf eventuell entstandene Blutungen untersucht. Die Schnitte an der Bauchdecke werden in mehreren Schichten vernäht. Die Hautnaht wird dabei in der Haut versenkt, sodass die Hündin sich die Nähte nicht selbst ziehen kann. Zuletzt werden die Wunden noch mit einem Pflaster abgedeckt.

Danach beginnt die Aufwachphase für die Hündin. Um sicherzustellen, dass sie sich dabei sicher und entspannt fühlt, überwachen und begleiten wir sie durchgehend.

Endoskopischen Kastration vs. Klassische Kastration

Im Unterschied zur endoskopischen Kastrationsmethode wird bei der klassischen Variante ein Schnitt durch Haut, Unterhaut und die muskuläre Bauchdecke gemacht. Dieser Schnitt wird mindestens so groß gewählt, dass Gebärmutterspitze und Eierstöcke durch den Schnitt hindurch erfasst und aus der Bauchhöhle heraus vorverlagert werden können. Je nach Alter der Hündin oder bekannter Vorerkrankungen der Gebärmutter (z.B.: Gebärmutterentzündung oder Zysten) werden dann entweder nur die Eierstöcke oder auch die gesamte Gebärmutter abgesetzt und entfernt (gegebenenfalls muss dann der Schnitt erweitert werden).

Endoskopische Kastration vs. Klassischen Operationsmethode: Vor- und Nachteile

Vorteile

Die endoskopische Kastration bietet einige Vorteile gegenüber der klassischen Variante.

Dazu gehören:

  • Bessere Übersicht im Bauchraum: Durch die Verwendung der Kamera direkt im Bauchraum haben wir eine bessere Übersicht im Vergleich zur klassischen Operationsmethode und können eventuelle Blutungen oder Veränderungen an den Organen leichter erkennen.
  • Weniger Schmerzen während dem Eingriff: Die endoskopische Kastration verursacht während der Operation weniger Schmerzen als die klassische Variante. Dies ermöglicht eine ausreichende Schmerzausschaltung bereits mit geringeren Dosen von Schmerzmitteln, was eine schonendere Narkose mit weniger Nebenwirkungen bedeutet.
  • Kürzere Erholungsphase: Nach der Operation erholen sich endoskopisch kastrierte Hündinnen aufgrund der kleineren Schnitte schneller und benötigen auch hier weniger Schmerzmittel, als Hündinnen, die nach der klassischen Operationsmethode kastriert wurden.
  • Verkürzte Phase der Bewegungseinschränkung:  durch die kleinen Schnitte bleibt die Bauchdecke im Vergleich zur klassischen Operationsmethode deutlich stabiler und die Zugkräfte, die an den Nähten wirken, sind wesentlich geringer. Deshalb die Phase der Bewegungseinschränkung nach der Operation bei der endoskopischen Methode kürzer und die Gefahr der Nahtdehiszenz (das ist das Aufplatzen von Wundnähten nach einer Operation) geringer.

Nachteile

Den größten Nachteil der endoskopischen Kastration stellt das Verbleiben der Gebärmutter im Körper der Hündin dar. Meist ist dies kein Problem, da Gebärmutterveränderungen (z.B. Zysten oder auch Gebärmutterentzündungen) aufgrund des hormonellen Einflusses aus den Eierstöcken entstehen. Liegen zum Kastrationszeitpunkt keine Veränderungen an der Gebärmutter vor, so ist das Risiko von späteren Erkrankungen äußerst gering, da es nach der Kastration keine hormonellen Veränderungen mehr gibt. Zeigt die Gebärmutter aber zum Kastrationszeitpunkt bereits Veränderungen, sollte sie komplett entfernt werden, um spätere Probleme zu vermeiden. Aus diesem Grund empfehlen wir bei Hündinnen, die bereits mehrfach läufig oder auch trächtig waren, vor einer endoskopischen Kastration eine Ultraschall-Untersuchung durchführen zu lassen, um eventuelle Veränderungen nicht zu übersehen.

Ausnahmen

Eine Ausnahme stellen sehr kleine Hündinnen (je nach Körperbau sprechen wir hier von Hündinnen mit weniger als 10-12 kg) dar: Bei diesen Hündinnen kann der Schnitt der klassischen Operationsmethode sehr klein gehalten werden, weshalb die endoskopische Kastrationsmethode keinen zusätzlichen Vorteil für die Hündin bringt. Da der Material- und Geräteaufwand bei der endoskopischen Kastration und damit einhergehend auch die Kosten deutlich höher im Vergleich zur klassischen Variante sind, kastrieren wir diese Hündinnen in unserer Ordination nicht endoskopisch.

Haben Sie noch weitere Fragen oder interessieren Sie sich für eine endoskopische Kastration Ihrer Hündin in unserer Ordination? Kontaktieren Sie uns gern!

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